Die Blockade der Bachelorreform geht weiter

Die BA/MA-Reform am Otto-Suhr-Institut kommt nicht voran. Nachdem der Vorschlag der Reformkommission am Institutstag mit großer Mehrheit unterstützt worden war, sich allerdings einige Professor_innen quergestellt hatten, hat die Reformkommission am Montag, 7. Dezember einen Kompromissvorschlag beschlossen. Er sollte allen Seiten gerecht werden. Eine Präsentation des Vorschlags im Prüfungsausschuss zeigte jedoch: Die Vertreter_innen des vor dem Institutstag lancierten Gegenentwurfs (bekannt als „Vorschlag Börzel und Co.“) lehnen eine Einigung weiter ab – trotz Zugeständnissen von Seiten der Reformkommission. Deren Arbeit ist nun um Monate zurückgeworfen.

Hier zum Download: Kompromissvorschlag der BA/MA-Reformkommission

Ein Bericht zum aktuellen Stand von Peter Weissenburger,
studentisches Mitglied in der Reformkommission:

Nachdem sich die Bachelorreformkommission in der unmittelbar auf den Institutsrat folgenden Sitzung zur Aufgabe gemacht hatte, den Status der Ideengeschichte und der Modernen Politischen Theorie als zwei getrennte Module aufrecht zu erhalten und dennoch alle zweifelnden Stimmen mit einzubeziehen, wurde am Montag, 7. Dezember 2009, ein neuer Kompromissentwurf erwogen. Dieser kam aus der Feder von Daphne Stelter und Ann Kathrin Helfrich, Mitarbeiterinnen in der Lehrplanung und trägt nunmehr die Nummer Kompromiss 3, nach den Vorschlägen von Bernd Ladwig und Carina Sprungk/Torben Heinze, die in der Zwischenzeit besprochen wurden.

Dieser neue Kompromissvorschlag versuchte, allen bisher gehörten Argumenten und Bedenken gerecht zu werden. Im Sinne des Kommissionsvorschlags sollten 5 Module erhalten bleiben, die weiterhin die Struktur „eine Vorlesung, ein PS, eine Prüfung, 10 Punkte“ aufweisen und zu denen Ideengeschichte und Moderne Politische Theorie gehören. Gleichzeitig sollte jedoch auch die bessere Ausstattung derjenigen Bereiche, die sich mehr schlecht als recht unter den Sammelbegriff „IB“ stecken lassen, abgebildet werden. Der Vorschlag sah demnach im Pflichtbereich wie folgt aus:

Die Module Ideengeschichte, Moderne Politische Theorie und IB bleiben wie gehabt. Die beiden übrigen Module bleiben ebenfalls „1 V-1PS-10LP“ werden jedoch thematisch ergänzt, und zwar „System BRD“ durch „Europäische Integration“ und „Vergleich“ durch „Regionalstudien“. Damit sollte einerseits erreicht werden, dass diese gut bestückten Bereiche durch die Verschiebung in den Pflichtbereich aufgewertet werden. Andererseits argumentierten die Verfasserinnen, dass es in der Vergangenheit oft Probleme beim Veranstaltungsangebot in den Bereichen „BRD“ und „Vergleich“ gegeben habe und dies damit ausgeglichen werden könne. Der Pflichtbereich im Grundstudium wäre danach dieser:

Politische Ideengeschichte: V+PS, 10 LP
Moderne Politische Theorie: V+PS, 10 LP
Politisches System der BRD und der EU: V+PS, 10 LP
Regionalstudien und vergleichende Analyse: V+PS, 10 LP
Internationale Beziehungen: V+PS, 10 LP

Während Cilja Harders als Zuständige für den Bereich Regionalstudien bemerkte, dass dieser und die Komparatistik ohnehin verwandt seien und sich ähnlicher Vorgehensweisen bedienten und sie die Konzeption einer Überblicksvorlesung, die beides vereint, gerne in Angriff nehmen würde, war die Reaktion der Anwesenden aus dem EI-Bereich, Carina Sprungk und Torben Heinze, eher skeptisch. Es konnte auch nicht geklärt werden, ob die Vorlesungen der Fusionsmodule als Überblick beide Bereiche beinhalten sollten, oder ob abwechselnd je eine Vorlesung mit Schwerpunkt BRD bzw. EI angeboten werden würde.

Dennoch entschied die Kommission mehrheitlich, dass sie diesen Kompromiss als solchen akzeptieren würde. Leider liegt dabei die Betonung auf „mehrheitlich“, denn bisher waren in der Kommission nur Konsensentscheidungen gefallen. In diesem Fall gab es jedoch zweifelnde Stimmen und die Zeit reichte nicht mehr zur weiterführenden Diskussion, und so bleibt die Meinung der Kommission zu diesem Papier ambivalent. Der Vorschlag sollte jedoch am darauffolgenden Tag dem Prüfungsausschuss vorgestellt werden.

Bei der Sitzung desselben am Dienstag, 8. Dezember 2009, bei der unter anderem auch die Mitverfasser_innen des ersten 3-Module-Modells, Tanja Börzel, Sabine von Oppeln, Susanne Lütz und Thomas Risse, anwesend waren, warf der Kompromiss Nr. 3 neben den bereits aufgezählten neue Fragen auf: Der Grundgedanke bei dem Entwurf der 3 Module, nämlich die Entschlackung des Pflichtbereichs sei damit nicht geschehen. Börzel wehrte sich darüberhinaus gegen die Vorstellung, die mitschwinge, dass ihr Interesse allein in der Aufwertung der EI liege. Außerdem kam der Vorwurf auf, man bestehe beinhart auf zwei Vorlesungen im Theoriebereich, da man es für unmöglich halte, die Vorlesungen Ideengeschichte und Moderne zusammenzulegen, gleichzeitig verlange man jedoch genau dies von den Bereichen BRD, EI, Vergleich und Regionalstudien.

Letztendlich erscheint der Kompromiss 3 für alle ein Biss in den berühmten sauren Apfel zu sein, der wenn überhaupt nur um des politischen Friedens im Institut Willen vollzogen werden würde. Frau von Oppeln betonte mehrfach, dass es sich um einen „Kompromiss und nicht die ideale Studienordnung handelt“ und dabei sind wohl ausnahmsweise alle einer Meinung, wie sich an dem fragwürdigen Stimmungsbild der Kommission und der Skepsis des Prüfungsausschusses erkennen lässt. Nun haben sich aber der Institutsrat und die Kommission zu Anfang das Ziel gesetzt, wenn auch nicht die ideale, dann doch zumindest diejenige Studienordnung zu entwerfen, in denen alle, Studierende wie Lehrende, eine Verbesserung erkennen.

Daher wäre es in diesem griechischen Drama wohl die Katastrophe, wenn am Ende alle oder die meisten Beteiligten mit knirschenden Zähnen und einem bangen Gefühl die neue Studienordnung auf den Weg brächten – mit absoluter Garantie auf eine weitere Studienreform spätestens 2011.

Das weitere Vorgehen, welches die Anwesenden im Prüfungsausschuss der Kommission vorschlagen ist dieses: Ein weiteres Erarbeiten und Verwerfen von Kompromissvorschlägen führt nicht weiter. Daher sollen in der kommenden Sitzung noch einmal alle bisher besprochenen Ideen zur Ausgestaltung des ersten Studienabschnitts, einschließlich derer, die in der Kommission vor dem Institutstag aufkamen, mit ihren Für- und Widerreden betrachtet werden. Eine entsprechende Übersicht werden einige Kommissionsmitglieder bis dahin als Tischvorlage vorbereiten. Damit soll die Diskussion, so die Idee, zurück auf Null gefahren werden. Vielleicht lässt sich damit endlich klarstellen, wo genau die partikularen Bedürfnisse liegen, und wie sie sich verknüpfen lassen.

Da die Kommission damit möglicherweise vom Stand der Überlegungen auf Anfang Juli zurückgeworfen wird, nimmt der Zeitdruck zu. Die mehrfach inoffiziell genannte Deadline für einen abschließenden Institutsratsbeschluss liegt im März 2010. Inzwischen finden wöchentlich Treffen statt, das nächste am Dienstag, 15.12.09 um 12.00, der Raum wird demnächst von Gisela Rossa-Dubray über den Blackboard-Verteiler (OSI 4-Jahres-Bachelor) bekanntgegeben.