Die BA-Reform liegt auf Eis – Verbesserungen kommen

Die große BA-Reform ist vorerst gescheitert: Eine Mehrheit der OSI-Professor_innen aus der Reformkommission wollte die Ideengeschichte in der neuen BA-Ordnung geschwächt sehen – was die Studierenden entschieden ablehnen. Die Kommission hat sich nun eine „Pause“ verordnet, die geplante BA-Reform mit der Einrichtung eines achtsemestrigen Bachelors liegt auf Eis. Stattdessen soll es eine Änderungsordnung geben, welche die vom Institutsrat bereits beschlossenen „affinen Module“ im Wahlpflichtbereich und die Streichung eines Drittels der Noten umsetzt.

Studiendekanin Prof. Cilja Harders äußerte gleich zu Beginn der Kommissionssitzung am 27. Januar 2010 ihre Verärgerung über die Blockade der Arbeit der Reformkommission. Der ursprüngliche Entwurf der Kommission sei nach wie vor der beste Vorschlag, die Diskussion eine „Scheindebatte“ um die Abwertung der Ideengeschichte. Der Hintergrund: Das Argument der Professor_innen um Tanja Börzel, die Studienordnung müsse die schlechte Ausstattung der Ideengeschichte abbilden, ist hinfällig, nachdem Klaus Roth eine zweijährige Gastprofessur erhalten und der Institutsrat die Neubesetzung der Ideengeschichtsprofessur zur „obersten Priorität“ erklärt hat. Trotzdem halten die tonangebenden Professor_innen an der Schwächung des Bereichs fest – Theorie-Professor Bernd Ladwig drohte in der Sitzung mit seinem Ausstieg aus der Kommission, sollte es keinen Konsens im Sinne des „Professoriums“ geben. Die Haltung der Studierenden, eine Abwertung der Ideengeschichte sei „nicht verhandelbar“, nannte er mit Verweis auf die Mehrheitsverhältnisse im Institutsrat „unrational“.

Um die Studienreform zu retten, hatten die Studierenden einen neuen Kompromissvorschlag eingebracht: Das Modell hält an den beiden 10-LP-Pflichtmodulen „Moderne Politische Theorie“ und „Politische Ideengeschichte“ fest, wertet allerdings den Bereich „Internationale Beziehungen“ (IB) von 10 auf 15 Leistungspunkte auf und gibt somit in punkto Stärkung der IB nach. Weil in dem Modell die mit 5 LP bewertete Einführungsvorlesung als freiwillige Ringvorlesung eingestuft wird, können 5 Punkte auf die IB verlagert werden. Damit würde eine Abwertung der Theorie vermieden jedoch dem Wunsch nach einer Aufwertung der IB begegnet. Dieser Vorschlag fand unter den anwesenden Professor_innen keine nennenswerte Unterstützung – nur Prof. Hajo Funke stellte sich hinter den Vorschlag. Offenbar ist selbst den Professor_innen aus dem Bereich „Internationale Beziehungen“ die Schwächung der Ideengeschichte wichtiger als die Stärkung des eigenen Bereichs.

Damit ist das Vorhaben einer großen Studienreform mit der Einführung eines achtsemestrigen Bachelors erst einmal gescheitert. Der BA-Reformprozess wird mit Verweis auf die sich wandelnden universitären und bundespolitischen Rahmenbedingungen eingefroren. Trotzdem sollen die acht Monate Verhandlungen, die mindestens acht BA-Reformentwürfe hervorgebracht haben, nicht umsonst gewesen sein. Der Vorschlag des studentischen Kommissionsmitglieds Isabella Weber stieß auf allgemeine Zustimmung: Mithilfe einer „Änderungsordnung“ werden zwei Punkte umgesetzt, die für die Studierenden wichtig sind und bereits eine Mehrheit im Institutsrat gefunden haben: „Affine Module“ im Wahlpflichtbereich ermöglichen eine größere Wahlfreiheit, von den benoteten Scheinen werden künftig nur noch zwei Drittel angerechnet, die schlechter bewerteten können „gestrichen“ werden: ein kleiner Fortschritt für jene Studierenden, die weder die Möglichkeit hatten ins Diplom zu wechseln, aber auch keine Aussicht mehr haben, bald in einen reformierten Bachelor wechseln zu können.

Im kommenden Semester, nach einer „Arbeitspause“, soll die Kommission ihre Arbeit fortsetzen – mit dem Ziel, einen achtsemestrigen Bachelor einzuführen. Der Kampf der Studierenden geht also weiter, die Ziele sind klar: Eine BA-Reform muss ein freieres Studium ermöglichen – und zugleich die Grundlagen einer pluralen und kritischen Politikwissenschaft vermitteln.